Was für ein toller Camping-Spot! Wir waren zwar Mal wieder zu müde um den Sonnenuntergang anzuschauen, aber dafür habe ich morgens den Sonnenaufgang gesehen, als ich Nachts „kurz raus“ mußte. Leider hatte ich da mein Handy nicht dabei und habe kein Foto gemacht. Das Bild ist noch vom Vorabend.

Apropos „müssen“ – über das gesamte Gelände verteilt stehen drei Plumpsklos. Diese sind aber wirklich nur bei größter Not empfehlenswert. Nachts ist der Wald groß genug…
Heute haben wir wieder etwas länger gebraucht um alles zusammen zu packen und zu Frühstücken – ohne Kaffee und Essen loszufahren ist keine Option. Erst um 9:53 Uhr starte ich die Aufzeichnung auf dem Wahoo.
Zunächst müssen wir uns wieder aus dem Wald raus kämpfen. Der Waldweg hat sich leider nicht über Nacht in eine Schotterpiste verwandelt, oder noch besser, in eine asphaltierte Straße – also ist schon wieder Technik Training am Morgen angesagt. Umso mehr freuen wir uns, als wir die Straße erreicht haben.
Allerdings ist die Freude nur von kurzer Dauer, denn unsere Route verläuft heute fast die gesamte Strecke auf der P124. Die Strecke ist an Monotonie wohl nur von den Straßen im Norden von Skandinavien zu übertreffen. Es geht lange geradeaus, ab und zu ein leichter Anstieg oder eine sanfte Kurve und rechts und links Wald. Und dazu hatten wir den ganzen Tag Gegenwind. Ich vermute, dass der Wald den Wind „kanalisiert“ hat, denn egal in welche Richtung die Kurven gingen, der Wind kam immer von vorne.
So richtig voran gekommen sind wir auch nicht. Ich habe zwar versucht Sabine Windschatten zu geben, aber sie ist immer wieder rausgefallen wenn ich in meiner Wohlfühl-Kadenz gefahren bin, oder wenn es leicht bergauf ging. Das müssen wir noch optimieren, denn morgen soll der Wind wieder von vorne kommen.
Pausenplätze gab es auf der Strecke auch keine. Die 20 km Pause haben wir dementsprechend in der Einfahrt zu einem Waldweg, aber für die Mittagspause sind wir an einen kleinen See gefahren und haben dort im Schatten auf einer Wiese gegessen.
Erst als wir in die Vororte von Ventspils gekommen sind wurde es etwas Abwechslungsreicher. Außerdem gibt es im Ort ein sehr gut Ausgebautes Radwegenetz, so dass wir bis zum Campingplatz auf diesen Fahren konnten.
Die Stadt scheint während der Sowjetischen Okkupation eine große Rolle als Hafen gespielt zu haben. Die Kräne stehen noch, aber der Hafen sieht nicht sehr geschäftig aus – vielleicht lag es auch daran, dass Sonntag war.

Über eine Brücke geht es in die Stadt hinein. Am Ortseingang steht ein großes Gebäude mit einer interessanten Architektur:

Wie ich inzwischen herausfinden konnte ist das das VIZIUM Science Center. Direkt gegenüber ist ein großer Park. Was die bunte Kuh am Eingang symbolisieren soll, habe ich nicht herausfinden können.

Der Campingplatz liegt auf der anderen Seite der Stadt. Auf dem Weg machen wir noch an einem Supermarkt halt und kaufen für das Abendessen ein. In das Zentrum der Stadt schaffen wir es nicht mehr, wir sind beide kaputt von der anstrengenden Fahrt und wollen duschen und die Füße hochlegen.
Der Campingplatz ist ziemlich gross, dafür aber mit 18€ echt günstig. Sabine möchte noch eine Waschmaschine waschen, das kostet 5€ extra. Nachdem wir beide geduscht sind und die Wäsche auf der Leine hängt, kümmere ich mich um die Räder. Die Ketten müssen mal wieder gewachst werden und bei Sabines Rad musste ich die Hinterradbremse kontrollieren. Danach gehen wir in die Küche um Abendessen zu kochen, dann abspülen und zurück zum Zelt. Soviel zum Füße hochlegen, denn um 21 Uhr liegen wir satt und erschöpft im Schlafsack und uns fallen die Augen zu.
In Ventspils waren wir auch – da gibt es überall Kühe, wir haben auch nicht rausgefunden warum. In dem Park der Stadt sind ausserdem noch mehr von diesen Blumenskulpturen – im allen möglichen Formen.
Sabine wollte nicht mehr in das Stadtzentrum fahren…