
Wie jeden morgen klingelt auch heute der Wecker um 7 Uhr. Und auch heute holt er mich aus dem Reich der Träume zurück in die Realität. Ein Teil der Realität ist ein angenehm warmer Schlafsack, der andere Teil ist eine volle Blase, die entleert werden möchte. Also ziehe ich mir eine lange Hose an – ich möchte auf dem Weg zur Toilette nicht von den Mücken aufgefressen werden – und mache mich auf den Weg. Mit Wohlwollen stelle ich fest, dass das Zelt trocken ist, auch auf der Innenseite ist kein Wasserfilm vom Kondenswasser.
Zurück im Zelt würde ich mich am liebsten wieder in den Schlafsack verkriechen, aber das geht nicht. Gestern Abend haben wir uns eine Unterkunft für heute Nacht gebucht, weil es tagsüber und abends regnen soll. Es hilft also nichts, wir müssen heute dort hin fahren.
Um 9:37 Uhr startet die Aufzeichnung und es geht erst einmal auf Radwegen raus aus der Stadt.

An der Stadtgrenze ist der Radweg zu Ende und wir müssen auf die Straße wechseln, die am Vormittag einigermaßen stark befahren ist. Umso mehr erfreuen wir uns am noch guten Wetter, auch wenn der Wind schon ordentlich pustet – natürlich gegen uns…


Wir biegen auf eine vermeintliche Nebenstraße ab und hoffen, dass der Verkehr hier weniger stark ist. Ich sag’s mal so: es geht.

Als wir in einer Einfahrt unsere 20 km Riegel- und Dehn-Pause machen kommt diese kleine Raupe angekrochen. Ganz schön flink das kleine Kerlchen, ich musste eine Reihe von Bildern machen um das Tierchen so einzufangen.


Die Mittagspause verbringen wir stilvoll an einer Bushaltestelle. Salami-Käse Brote und Schokoriegel sollen uns verbrauchte Energie zurück bringen. Wir haben die Pause zur absolut Richtigen Zeit gemacht. Keine 5 Minuten später fängt es an zu Regnen und wir ziehen schnell die Regenjacken an. Als der Regen nach 10 Minuten eher noch stärker geworden ist, halten wir an der nächsten, zum Glück überdachten Haltestelle um auch noch die Überschuhe anzuziehen.
Auch heute ist der Wind gegen uns. Zum Glück bläst er aber nicht ganz so stark wie gestern. Nur wenn die Bäume rechts von uns einem Feld weichen, dann kommen ein paar starke Böen, teilweise auch von der Seite.
Das mit dem Windschatten klappt heute besser als gestern. Ich hatte die KI gefragt, woran es liegt, dass Sabine bei gleicher Übersetzung immer eine höhere Kadenz treten muss. Ich hatte schon vermutet, dass es etwas mit den unterschiedlichen Radgrößen zu tun hat. Sabine hat „nur“ 27.5″ während ich 28″ Räder habe. Daher muss sie im gleichen Gang etwa 5 U/min mehr auf die Pedale bringen. Damit Sabine dann mit 85er Kadenz fahren kann, muss ich also auf eine 80er Kadenz runter. Nicht meine Wohlfühl-Kadenz, auch ich fahre lieber mit 85-90 U/min. Bei niedrigerer Kadenz werden die Beine ganz anders belastet und das wirkt sich irgendwie auch auf den Popo aus…

Wir kommen dem Abzweig zu unserem Zielort Pavilosta näher. Und wie immer ziehen sich die letzten Kilometer wie Kaugummi. Dann kommt der Abzweig und es sind nur noch wenige Kilometer bis zur Unterkunft. Vorher müssen wir aber wie jeden Abend noch für das Abendessen einkaufen. Heute möchte Sabine eine Hackfleisch-Gemüse-Pfanne machen. Vorher gibt es noch einen Salat mit Thunfisch. Der Thunfisch ist in einer Zitronen-Pfeffer Öl-Marinade, diese ersetzt die Salatsauce. Als Nachtisch gibt es Joghurt. Den gibt es hier in einer praktischen 1 kg Packung – so ähnlich wie es früher bei uns die Milch in Plastiktüten gab. Natürlich können wir nicht 1 kg Joghurt essen, den Rest gibt es dann am nächsten Morgen zum Frühstück.
Der Regen lässt auch am Abend nicht nach und so fällt der Spaziergang zum Hafen aus und wir planen noch die nächsten Tage bevor wir erschöpft ins Bett fallen.
Die Raupe ist ein Weidenbohrer…