Tag 72 – Pāvilosta nach Camping Jurmalciems Jekabi

Unsere Unterkunft
Und der Garten dazu

Wir haben ganz wunderbar geschlafen in unserer kleinen Hütte. Das Bett steht unter dem Dach und die steile Leiter führt nach oben. Nicht ganz so praktisch, wenn man Nachts auf die Toilette muss. Aber weder Sabine noch ich sind bei unseren nächtlichen Ausflügen gestürzt.

Um 8:50 startet die Aufzeichnung, nicht rekordverdächtig, aber ganz o.k. dafür, dass wir kein Zelt abbauen mussten. Vom Regen in der Nacht haben wir nichts mitbekommen, aber heute morgen sind die Straßen noch nass. Der Himmel ist noch grau und im Gegensatz zu den letzten Tagen ist es auch noch frisch. Das Thermometer am Wahoo zeigt 12°C an. Wir haben die Regenjacken als zusätzliche Isolationsschicht an und hoffen, dass wir sie nicht in ihrer eigentlichen Eigenschaft brauchen werden. Ein paar Tropfen bekommen wir dann aber doch ab. Es sind aber wirklich nur ein paar Tropfen.

Graue Wolken verheißen nichts Gutes
Pavilosta Konzertmuschel

Die P111 ist auch heute Vormittag nicht allzu stark befahren und die meisten LKW und PKW überholen uns mit ausreichendem Abstand. Das Beste aber ist: wir haben keinen Gegenwind! Vielleicht kommt der Wind sogar von hinten, denn die 20km Pause machen wir nach einer Stunde. Kurz danach kommen wir an einem Supermarkt vorbei und machen noch eine kurze Pause um leckere Karums einzukaufen und um evtl. noch etwas für unsere Mittagspause mitzunehmen.

Karums mit Schokolade

Karums sind kleine, relativ feste Quarkstückchen mit Schokolade oder mit einer Fruchtschicht umhüllt. Es gab ähnliche Dinger schon in Estland, dort haben sie auch einen anderen Namen, sind aber genauso lecker! Zum Mittagessen nehmen wir noch Frikadellen mit, das wird gut zum Käsebrot passen.

Nach etwas über 30 km verlassen wir die P111. Der Belag auf der Nebenstraße ist deutlich schlechter, eigentlich ist es das reine Flickwerk. Sabine nennt das liebevoll „Asphalt-Gravel“. Vielleicht weil wir nicht dankbar genug waren für den Asphalt-Gravel, landen wir nach der nächsten Kurve auf einer Schotterstraße mit übelsten Rippeln. Die nächsten ca. 5 km werden wir ordentlich durchgerüttelt und geschüttelt und kommen nur langsam voran.

Asphalt-Gravel

Dafür führt uns die Schotterstraße zu einem perfekten Mittagspausenplatz! Wir müssen dafür zwar ca. 1 km „Umweg“ in Kauf nehmen, aber dieser Platz ist das auf jeden Fall Wert.

Nach der Mittagspause geht es noch ein Stück weiter auf der Schotterpiste. Zum Glück geht es aber bald danach wieder auf Asphalt weiter. Wir sind beide verwirrt, als wir kurze Zeit später das Ortsschild von Liepaja passieren, sind es doch bis zum Ortskern noch gute 5 km. Scheinbar ist der Ort doch größer als gedacht.

Am Rande der Stadt gibt es viele Plattenbau-Siedlungen. Man hat zudem das Gefühl, dass überall gebaut wird und das Beste daran ist: es werden Radwee gebaut! Leider sind die noch nicht fertig und so quälen wir uns durch die Baustellen in die Innenstadt. In der Stadt sind die Radwege schon fertig, außerdem ist viel Verkehrsberuhigt und es gibt eine Straßenbahn!

Auf dem Weg raus aus der Stadt halten wir – ihr könnt es euch denken – an einem Supermarkt um für das Abendessen einzukaufen. Beim Einräumen der Einkäufe werden wir von einer Radfahrerin angesprochen, die ihr E-Bike neben uns parkt. Ob wir gleiche, orange Regenjacken hätten. Ja, haben wir. Und ach ja, die blinkenden Rücklichter, die würde sie auch erkennen. Sie sind gestern an uns vorbei gefahren und haben uns bedauert, dass wir im Regen fahren müssen. Wir erzählen ihr und ihrem inzwischen dazu gekommenen Mann, dass es ja warmer Regen war und wir schon schlimmeres hinter uns gebracht haben.

Vor der A11 am südlichen Ende von Liepaja hatten wir ein bisschen Angst. Die war zum Glück völlig unbegründet, denn es gibt einen ziemlich neuen Radweg, der bis nach Bernati führt. In den Ort wollten wir eigentlich nicht rein, aber da der Radweg in den Ort führt, fahren wir auf ihm so lange weiter, bis er nicht mehr in unsere Richtung führt.

Zwischen Liepaja und Bernati machen wir noch einen Kaffee-Stop am Café Velopietura. Sieht das nicht allerliebst aus? Da kann man doch nicht dran vorbei fahren, oder?

Nach Bernati müssen wir für etwas mehr als einen Kilometer doch noch auf die A11. Da es diesen Blogeintrag gibt, könnt ihr euch denken, dass wir es unbeschadet überstanden haben. Nach ein paar Kilometern Nebenstraße kommen wir an unserem ausgewählten Campingplatz an. Wir sind die einzigen Gäste und haben freie Platzwahl. Wir stellen das Zelt neben eine Bank und sind schon fast fertig mit dem Aufbau, da fällt mir auf, dass der Wind extrem in die Abside bläst. Auf den Lofoten hatten wir das schon einmal an dem unsäglichen Regentag, an dem wir unser Zelt umziehen mussten. Damals hat der Wind den Hering aus dem Boden gerissen. Wir nehmen das Außenzelt noch einmal ab, stellen das Innenzelt mit Heringen gesichert neben dran und ziehen das Footprint um. Dann bauen wir das Zelt fertig auf. Jetzt bläst der Wind auf die Fuß- Seite, die etwas schmaler ist, als die Kopfseite.

Nach dem Abendessen kommt Sabine auf die verrückte Idee, zum Strand zu gehen um den Sonnenuntergang anzuschauen. Dick eingepackt mit Daunenjacke sitzen wir im Sand, lassen uns den Wind um die Ohren pusten und beobachten wie die Sonne vom stürmischen Meer verschluckt wird.

Gute Nacht

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