Am nächsten Morgen gibt es bei Andrea und Robert ein fürstliches Frühstück. Da wir aber heute noch eine 80 km Tour vor uns haben, können wir es nicht zu lange ausdehnen. Bevor wir uns von den beiden verabschieden, müssen wir noch schnell den Schlauch von Sabine flicken. Durch den „Snake-Bite“ gestern sind zwei Löcher zu flicken, aber wir wollen uns nicht mit einem kaputten Schlauch auf den Weg machen.
Wieso 80 km? Naja, die Deutsche Bahn hat am Wochenende 15./16.8. arbeiten auf der Strecke Hamburg – Lübeck durchgeführt und daher sind keine Züge gefahren. Der Ersatzverkehr nimmt natürlich keine Fahrräder mit und so durften wir uns eine Alternative überlegen, wie wir nach Hamburg kommen. Zum Glück gibt es eine zweite Bahnstrecke in den Nord-Osten von Schleswig Holstein. Diese führt durch Bad Oldesloe und von Grömitz sind es ca. 80 km zum dortigen Bahnhof.
Wir verabschieden uns von Andrea und Robert und just dann fängt es an zu Regnen. Zum Glück sind es nur ein paar Tropfen und obwohl den ganzen Tag ein paar dunkle Wolken am Horizont ziehen, kommen wir trocken an unser Ziel. In Schleswig Holstein gibt es sehr viele schöne Radwege und so sind wir heute fast ausschließlich auf Radwegen gefahren, obwohl ich die Strecke Last Minute geplant habe. In Bad Oldesloe bekommen wir direkt eine Regionalbahn nach Hamburg – läuft!
Warum eigentlich Hamburg? Naja die Deutsche Bahn – schon wieder. Wer schon einmal versucht hat mit der Bahn im Fernverkehr Fahrräder mitzunehmen weiß, dass die Plätze limitiert sind (8 pro ICE!). Außerdem sind die Plätze vor allem im Sommer meist Wochen vorher ausgebucht. Als wir wussten, wann wir zurück in Deutschland sind, haben wir in der Bahn App versucht zeitnah eine Verbindung nach Frankfurt zu finden. Als Abfahrtsbahnhöfe haben wir Hamburg, Hannover, und Bremen probiert. Der nächste ICE mit zwei freien Fahrradplätzen, den wir gefunden haben wäre am 17.8. um 4 Uhr morgens von Hamburg gefahren. Aber irgendwie hatten wir keine Lust eine Nacht auf dem Bahnhof in Hamburg rumzulungern, oder für eine kurze Nacht ein Hotelzimmer zu bezahlen. Die nächste Verbindung nach Frankfurt haben wir von Bremen aus gefunden. Zwar erst am 18.8. dafür aber zu einer vernünftigen Zeit.
Zurück zur Frage: Warum dann Hamburg und nicht gleich Bremen? Weil ich einen Cousin habe, der in der Nähe von Hamburg wohnt – genau genommen wohnt er in Neu-Wulmstorf – und er hat uns für zwei Nächte „Asyl“ gewährt. Also sind wir von Hamburg mit der S5 direkt weiter nach Neu-Wulmstorf gefahren. Den nächsten Tag verbringen wir in Hamburg, schauen uns den alten Elbtunnel an und genießen dann das typische Hamburger Wetter (Regen…) bei einer Rundfahrt mit dem Wasserbus durch den Hafen.
Obwohl unser Zug erst am Nachmittag fährt, fahren wir rechtzeitig los, vor allem da wir in Harburg noch umsteigen müssen. In Bremen suchen wir uns erst einmal ein Café zum Frühstücken. Aber insgesamt ist dieser Tag wieder einer von den „verlorenen“ Transition-Tagen.
Der ICE bringt uns einigermaßen pünktlich nach Frankfurt, dort kommen wir um kurz nach 21 Uhr an. Da die RB12 wieder nicht bis Frankfurt durchfährt, müssen wir mit der S-Bahn nach Frankfurt Höchst fahren. Wir nehmen den Fahrstuhl zu den S-Bahn Gleisen, dort steht eine S1 nach Wiesbaden bereit und wir beeilen uns einzusteigen. Nach ein paar Minuten Fahrt fahren wir durch den neuen Bahnhof Gateway Gardens am Flughafen gefolgt vom Regionalbahnhof. Das ist nicht die normale Strecke der S1 nach Wiesbaden! Die Bahn hält an keinem der Bahnhöfe an, durch die wir fahren und wir entfernen uns immer weiter von zu Hause. In Mainz „Römisches Theater“ hält die Bahn außerplanmäßig (!) an, weil es im Mainzer Hauptbahnhof einen Polizeieinsatz gibt. Das gibt uns die Gelegenheit auszusteigen und zu recherchieren wie und wann wir zurück nach Frankfurt kommen. Wir haben Glück und ein paar Minuten später kommt ein Regionalexpress der uns zurück zum Hauptbahnhof in Frankfurt bringt. So stehen wir ca. eine Stunde später wieder im Hauptbahnhof und nehmen wieder den Aufzug zu dem S-Bahn Gleisen. Dieses Mal schauen wir genauer, ob die S2 auch wirklich in Frankfurt Höchst hält, bevor wir einsteigen. In Höchst müssen wir noch 30 Minuten auf die RB12 warten, aber dann sind wir zurück in Liederbach.
Die letzten Meter von der Bahnstation fahren wir mit den Rädern. Vor 80 Tagen sind wir losgefahren und es ist ein komisches Gefühl nach einer so langen Zeit wieder durch die gewohnten Straßen zu fahren. Denn, es fühlt sich eher so an, als ob wir erst vor ein paar Tagen hier gefahren sind. Wir haben in den vergangenen 80 Tagen so viel erlebt und waren an so vielen verschiedenen Orten – aber hier sieht noch so aus wie vorher, es hat sich auf den ersten Blick nichts verändert.
Auch unser zu Hause ist noch da und innen sieht alles so aus, wie wir es verlassen haben. Da es inzwischen schon nach 23 Uhr ist, stellen wir die Räder wie sie sind ins Haus, duschen und gehen schlafen.
In den nächsten Tagen passieren ein paar Dinge, die uns sehr schnell wieder in den Alltag zu Hause katapultieren und uns davon ablenken darüber nachzudenken, dass unsere Reise vorbei ist.