Tag 75 – Klaipeda und Fähre nach Travemünde

Der Tag beginnt wie so viele Tage auf unserer Reise mit dem Packen der Taschen. Heute müssen wir aber die Taschen anders packen als sonst, denn wir wollen möglichst nur eine Tasche auf der Fähre vom Rad abmachen und mit in die Kabine nehmen. Anschließend müssen die Taschen und die Fahrräder aus der Wohnung wieder nach unten gebracht werden. Die Treppe ist ziemlich steil und ich muss aufpassen, dass ich mit den Radschuhen nicht runterfalle. Aber es geht alles gut und um 10:53 Uhr schließen wir die Wohnung ab und verstauen den Schlüssel in der dafür vorgesehenen Box.

Die Fähre legt erst um 18 Uhr ab und in der Information, die wir bekommen haben steht, wir sollen um 15 Uhr zum Einchecken am Terminal sein. Wir haben also noch sehr viel Zeit in der wir wegen der gepackten Räder nicht viel unternehmen können. Aber frühstücken in einem Restaurant auf der Terasse, die Räder im Blick, das geht zum Glück. Wir dehnen das Frühstück maximal aus, aber irgnedwann bekommen wir doch ein schlechtes Gewissen, weil wir den Tisch blockieren und noch einen weiteren Kaffee / Tee / Saft wollen wir auch nicht mehr trinken. Also spazieren wir mit unseren Rädern noch ein bißchen durch die Altstadt und lassen uns dann in einem Park auf einer Bank nieder. Sabine möchte noch in zwei Geschäfte gehen und vielleicht noch ein klitzekleines Souvenir kaufen, ich passe auf unsere Räder auf, schaue dem Treiben auf dem nahen Karussel zu und schreibe noch einen Blog-Beitrag.

Sabine hat tatsächlich noch ein kleines Souvenir gekauft, ein sehr schönes Armband mit einem Bernstein. Größere Souveniers können wir ja nicht kaufen, unsere Taschen sind einfach nicht groß genug. Dann kommen noch zwei Radreisende bei uns vorbei und nach der üblichen Frage: „where from and where too“ stellen wir fest, dass es auch deutsche Radler sind. Wir tauschen unsere Erfahrungen über unsere Reise aus und so vergeht noch ein wenig Zeit.

Diese Reisetage finde ich mental immer sehr anstrengend, denn gefühlt geht es erst einmal nicht voran und die Warterei st zermürbend. Dann ist es aber doch Zeit sich auf den Weg zu machen und wir fahren die wenigen Kilometer bis zum Check-In mit den Rädern. Leider werden gefühlt alle Radwege gerade neu gemacht und so verfahren wir uns und müssen wir erst ein Stück auf einer Vierspurigen Straße fahren bevor wir unseren geplanten Radweg wieder finden. Auch am Check-In müssen wir wieder warten, aber dort gibt es wenigstens einen Kaffee-Automaten und wir verzehren unsere morgens geschmierten Brote.

Endlich werden wird vom Personal aufgefordert uns auf den Weg zum Schiff zu machen. Wir fahren mit den Rädern über das Gelände, das eigentlich nur für Autos, Caravans und Lastwagen gedacht ist. Zum Glück sind zur Zeit keine anderen Reisenden oder LKWs auf dem Weg zur Fähre und wir kommen ohne Streß bis zum Boot. Die Fähre selbst ist schon älteren Baujahrs und kein Vergleich zur Fähre mit der wir nach unserer Rad-Reise über die Aland Inseln von Turku zurück nach Marieham gefahren sind. Wir sichern unsere Räder und nehmen die Taschen mit, die wir für die Übernachtung gepackt haben. der Rest bleibt am Rad – soll doch jemand unsere schmutzigen Klamotten klauen 🙂

Die Kabine hat ein Stockbett und ein Bad mit Dusche – immerhin. Nachdem wir unsere Kabine bezogen haben erkunden wir das Schiff. Es gibt ein kleines Restaurant und einen kleinen Kiosk. Meine Vermutung, dass das hier servierte Essen nicht viel taugt, bestätigt sich später leider. Wir nehmen uns vom Kiosk erst einmal zwei Dosen Bier mit und gehen auf das Oberdeck um das Auslaufen zu genießen und Klaipeda „Auf Wiedersehen“ zu sagen.

Der Rest der Fahrt bis Travemünde ist schnell erzählt. Das Essen im Restaurant ist nicht nur schlecht, sondern auch vergleichsweise teuer, trotzdem essen wir eine Kleinigkeit zu Abend. Dann verkrümeln wir uns bald in unsere Kabine um zu lesen und gehen früh schlafen. Am nächsten morgen Frühstücken wir wieder im Restaurant und auch das Frühstück ist nicht berauschend. Den Tag verbringen wir wieder weitgehend in der Kabine mit Lesen und ausruhen. Die Enfahrt in den Hafen von Travemünde ist etwas besonderes. Die Fähre fährt sehr langsam und dreht am Ende auf der Stelle, parkt dann rückwärts ein und legt sanft an der vorgesehenen Stelle an. Als die Leinen festgezurrt sind, dürfen wir zusammen mit allen anderen auf die Autodecks. Unsere Räder stehen noch an ihrem Platz und auch alle Taschen sind noch dran – Glück gehabt.

Auf unserer Fahrt von unserer Unterkunft am Nordkapp zurück nach Honningsvag hatten wir Andrea und Robert kennen gelernt. Sie waren mit ihrem Saab mit H-Kennzeichen unterwegs und ich hatte sie auf einem Parkplatz angesprohen als sie gerade ihre Decke zusammen gefaltet haben. Sie wollten natürlich wissen wo wir herkommen und wie lange wir schon unterwegs sind und wie unsere Reise weiter geht. Wie ich dann erzählt habe, dass wir planen nach Travemünde mit der Fähre zurück zu fahren – damals hatten wir ja noch geplant von Helsinki zurück zu fahren – sagten sie: „ach ja, wie schön, wir sehen die Fähren immer, wenn sie nach Travemünde kommen“. Frech und vorlaut wie ich bin, habe ich dann gesagt: „ach wie schön, dann kommen wir gerne bei euch vorbei…“. Überraschend kam dann die Antwort zurück: „Das könnt ihr gerne machen, wir haben eine Fehrienwohnung, da könnt ihr dann übernachten.“ Also haben wir Kontaktdaten ausgetauscht und als dann klar war, wann wir mit der Fähre zurück fahren, habe ich die beiden angeschrieben. Die Ferienwohnung war leider nicht frei, aber sie haben uns ihr Gästezimmer angeboten. Da konnten wir natürlich nicht nein sagen. Allerdings hatte die Sache einen Haken. Denn die Fähren von und nach Travemünde kann man auch von Grömitz aus sehen und der Ort liegt leider ca. 50 km von Travemünde entfernt. Diese kleine Halbtagestour mussten wir also nachdem wir um 18 Uhr von Bord gegangen waren noch hinter uns bringen und wer glaubt in Norddeutschland ist alles flach – leider nein, leider gar nicht! Und zu allem Überfluss hatte Sabine sich dann auf dem Weg auch noch einen Snake-Bite eingefahren.

Aber Ende gut – Alles Gut, wir sind gut bei Andrea und Robert angekommen, hatten einen sehr schönen Abend mit tollen Gesprächen und es wurde richtig spät, bis wir ins Bett gekommen sind. Wer hätte gedacht, dass wir mit den beiden, die wir ja kaum kennen, so auf einer Wellenlänge schwimmen und uns so gut verstehen. Ich hoffe wir werden uns wieder sehen!

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