Tag 50 – Honningsvåg – Nordkap

Es war eine lange Nacht auf dem Schiff. Die Amerikaner haben noch bis ca. 1 Uhr ihr lustiges Spiel gespielt. Dann ist Ruhe eingekehrt, aber ich konnte nicht schlafen. Die Motoren haben eine Vibration erzeugt, die sich angefühlt hat wie das Zittern wenn man friert. Das war ein komisches Gefühl. Dazu kamen noch meine RLS Beine. In der Nacht hat das Schiff noch an weiteren Häfen gehalten. Um 5:15 Uhr ist in Hammerfest eine Gruppe von lärmenden Personen eingestiegen. Zu der Zeit hatte ich endlich in den Schlaf gefunden…

Um 7 Uhr ist das Schiff endgültig wach geworden. Kein Wunder, ab dann gibt es Frühstück. Ich habe uns Kaffee organisiert und wir haben die restlichen Brote, ein Ei und ein paar Kekse dazu gefrühstückt. Bis zur Ankunft in Honningsvåg muss das reichen, auch wenn die erst um 11:15 Uhr ist. 

Zum Glück gab es noch etwas Programm an Bord. Sabine holt sich noch den Nordkap Poststempel und zusammen hören wir uns noch an, was es zur Insel Magerøya zu erzählen gibt – 6.000 Rentiere sollen auf der Insel leben. Die werden jedes Jahr mit LKWs auf die Insel gebracht und auch wieder zurück auf das Festland – verrückt…

Überfahrung des Nordkap-Tunnel

In Honningsvåg liegt die Aida Luna am Kreuzfahrt Kai. Zum Glück läuft sie um 11 Uhr aus. Dann sind auch keine von den über 3.000 Passagieren des Schiffes mehr am Nordkap.

Hier waren die Räder sicher verstaut.
Da wollen wir heute noch hin

Von der letzten Fahrt wissen wir, dass wir uns Zeit lassen können bevor wir zum Frachtraum runter gehen. Wir holen unsere Räder und checken aus. Auf Wiedersehen MS Nordlys.

Am Kai suchen wir uns eine Bank und ziehen unsere Radklamotten an. Dann machen wir uns auf den Weg zum Supermarkt um für die nächsten drei Tage einzukaufen. Unsere Hütte liegt zwischen Honningsvåg und dem Nordkap und es gibt in der Nähe keinen Supermarkt. Die Einkäufe passen nicht in unsere Taschen, daher müssen wir leider mit unseren kleinen Rucksäcken fahren. Das ist nicht optimal, wird aber schon mal gehen für 23km…

Glasklares Wasser

Wir haben heute wirklich Glück mit dem Wetter. Es ist zwar sehr windig, aber es regnet nicht! Auf den ca. 23 km zur Hütte geht es ganz schön bergauf. Das ist auch gut so, dann wird mir warm. Die Temperaturen liegen nämlich immer noch bei unter 8-10°C.

Wir kommen zu früh am Hytte Camp an, Check-in ist erst ab 11 Uhr. Dann erkunden wir mal die Anlage, kochen uns einen Tee in der Küche und essen ein Brot. Pünktlich um 11 Uhr bekommen wir den Code für die Schlüsselbox per Mail und beziehen unsere Hütte. Erst mal alle Taschen vom Rad, die Betten beziehen, dann eine Tasche für die Fahrt zum Kap und los geht’s!

2014 sind wir dort hin gewandert
Gleich da!
Geschafft!!!
Auch der Rückweg ist anstrengend
Ein paar von den 6.000

Nach ca. 14 anstrengenden Kilometern haben wir es geschafft – wir sind am Nordkap angekommen!!! Es fühlt sich immer noch surreal an, so weit mit dem Rad gefahren zu sein. Vielleicht liegt es daran, dass wir jeden Tag immer nur „wenige“ Kilometer zurück gelegt haben.

Nach einer Weile am Globus wird uns kalt. Zum Aufwärmen wollen wir in das Besucherzentrum und vielleicht einen Kaffee trinken. Der Zugang ist aber nur für zahlende Besucher und 32€ sind wir nicht bereit auszugeben. Zum Glück haben wir unsere Daunenjacken und Regenhosen eingepackt. Damit ist uns schon wärmer. Wir beschließen nicht am Kap zu essen, sondern zum Kochen zurück zu fahren. Vorher fahren wir noch einmal zum Globus. Uns ist beiden bewusst, daß wir hier so schnell nicht wieder herkommen, da wollen wir noch ein bisschen bleiben.

Wir lernen noch Sabrina kennen. Ich richte ihr schöne Grüße von Marc aus. Ich hatte kurz vorher mit ihm geschrieben und er sagte, dass eine Sabrina auch am Kap ist. Sie kennt ihn, da auch sie ein paar Tage mit ihm zusammen gefahren ist und findet es witzig, dass auch wir ihn kennen. Sabrina hat ihr Zelt am Kap aufgeschlagen und bleibt über Nacht. Sie verabschiedet sich um Abendessen zu kochen und auch wir machen uns schweren Herzens auf den Weg zurück zur Hütte.

Bis zum Nordkap haben wir 50 Tage, davon 41 Radtage, benötigt, 2568 km zurück gelegt, 18857 Höhenmetern überwunden und ich habe insgesamt 97816 Kalorien verbraucht. Letzteres könnte der Grund sein, dass ich den Gürtel im letzten Loch tragen muss.

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