
Vor ein paar Jahren waren wir schon einmal in Norwegen und sind von Oslo nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Nordkap gereist. Und bevor jemand fragt: Ja das geht!
Mehr zu unserer Reise findet ihr hier.
Auf der Reise haben wir in Svolvaer auf den Lofoten in unserer Unterkunft ein norwegisches Paar kennen gelernt. Seitdem sind wir in lockerem Kontakt und haben uns auch schon gegenseitig besucht. Als feststand, daß wir in unserer Auszeit mit dem Rad zum Nordkap fahren wollen, haben wir unsere Freunde kontaktiert. Sie haben sofort gesagt: „Kommt uns in Oslo besuchen!“ So können wir nun ein paar Tage in Oslo bei unseren Freunden verbringen und die Beine hochlegen und ein wenig die bisherige Reise reflektieren.
Reise-Reflektion
Einer der Gründe warum wir mit dem Rad unterwegs sind ist ja, dass wir in der Natur sein und uns ein wenig aus der „Zivilisation“ zurück ziehen möchten. „Down to the ground“, oder „Down to earth“ – im wahrsten Sinne des Wortes. Wenn man genauer darüber nachdenkt, ist das allerdings gar nicht so einfach. Es fängt schon mit unserer Ausrüstung an. Unsere Räder haben einen Rahmen aus Carbon, ein Material, das erst seit den 1990er Jahren in der Großserienproduktion bei Fahrrädern verwendet wird. Und auch die meisten von unseren kleinen und leichten Ausrüstungsgegenständen sind aus Materialien, die erst in den letzten 20-30 Jahren erfunden wurden. Ein 3-Personen Zelt mit einem Gewicht von 1670 Gramm, eine Isomatte mit einem Gewicht von 470 Gramm und einem R-Wert von 4.1 oder ein Schlafsack mit einem Gewicht von 493 Gramm, der bis -2°C warm hält – vor 20-30 Jahren undenkbar.
Aber noch aus einem anderen Grund ist es gar nicht so einfach sich aus der Zivilisation zurück zu ziehen. Denn wir müssen ja auch irgendwas Essen, wir brauchen sauberes Wasser und ab und zu auch eine warme Dusche und unsere Kleidung muss nach ein paar Tagen auch Mal gewaschen werden. Essen bekommen wir im Supermarkt und die meisten Produkte, die wir dort kaufen, kommen aus einer Fabrik – Zivilisation. Das Trinkwasser an den Sheltern in Dänemark kommt aus einem Wasserwerk durch eine Leitung, die jemand einmal verlegt hat – Zivilisation. Die Straßen und Wege, die wir befahren wurden von jemandem gebaut – Zivilisation. Unser Fahrradcomputer und unsere Mobile-Telefone, die uns dank GPS durch die Route führen und uns helfen Supermärkte zu finden- in mehrfacher Hinsicht Zivilisation. Ich könnte noch eine Reihe weiterer Punkte aufzählen, aber ich denke es ist klar, worauf ich hinaus will.
Machen wir uns also was vor, wenn wir glauben wir könnten uns – zumindest ein bisschen – aus der Zivilisation zurück ziehen? Bis zu einem gewissen Grad tun wir das wohl. Und uns ist klar, dass wir ohne die uns unterstützende Zivilisation diese Reise gar nicht machen könnten. Zurück zur Natur ist es trotzdem, denn wir sind auf dem Rad dem Wetter mehr oder weniger ausgesetzt. Wind, Regen, aber auch Sonne könnenuns ganz schön zusetzen, trotz unserer modernen Ausrüstung. Und natürlich hilft uns auch hier wieder die Zivilisation. Denn wir können ja in ein Hotel oder ein BnB gehen – zumindest im Moment noch, ob das weiter im Norden auch noch so einfach sein wird, werden wir sehen.
Im Vergleich mit der Masse, die mit Flieger oder Auto unterwegs ist, sind die Produkte, die ihr euch für viele Reisen gekauft habt vollkommen in Ordnung. Ihr kauft einfach viele regionale Produkte, dann stimmt die Bilanz wieder.
Mit den regionalen Produkten ist es so eine Sache – was hier z.T. an der Straße in Verkaufsständen angeboten wird können wir nicht bezahlen – nicht weil es so teuer wäre, sondern weil wir kein VIPS haben. Das ist das norwegische PayPal und das bekommt man nur mit einem norwegischen Bankkonto…
Norwegen ist mindestens so weit entwickelt wie Deutschland. Das lässt sich meiner Meinung nach sehr gut am Angebot im Supermarkt ablesen. Und wir kaufen sehr viele Verpackte Sachen in unseren Pausen und produzieren dabei leider immer auch einiges an Müll…
Mir ging es auch gar nicht so sehr um unseren ökologischen Fußabdruck (danke BP 😈) sondern darum zu zeigen wie schwer es ist sich wirklich ein wenig aus der Zivilisation zurück zu ziehen…
Spannende Gedanken. Und das Problem mit VIPS ist auch mal interessant. Bargeld ist wahrscheinlich auch kein Thema, oder?
Nein, Bargeld ist in Skandinavien so gut wie passé – außer auf den Campingplätzen, da werden oft 10 Kronen Münzen für die Dusche benötigt…