Tag 39 – Von Lofoten Beach Camp nach Lofoten Fjordcamp

Am Morgen ist das Zelt wieder nass und der Kampf gegen das schlechte Wetter geht in eine neue Runde. Das Zelt ist nicht komplett durchnässt, aber beim Gedanken es heute Abend evtl. Im Regen wieder aufbauen zu müssen graut es mich schon. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt…

Die Küche und das Zelt mit den Sitzmöglichkeiten ist komplett überlaufen und eigentlich haben wir gar keine Lust hier zu Frühstücken. Wir tun es trotzdem um uns für den Tag zu stärken. Außerdem brauchen wir beide Morgens einen Kaffee. Es regnet nicht als wir losfahren, es zeigt sich sogar ein wenig blauer Himmel. Ein Stück müssen wir auf der E10 fahren und es sind leider schon viele Touristen in ihren Caravans und Mietwagen unterwegs. Immer wenn uns ein Fahrzeug zu eng überholt ist es ganz sicher kein Norweger, der am Steuer sitzt – auch wenn die KFZ ein norwegisches Kennzeichen haben.

Nachdem wir von der E10 in Richtung Nusfjord abgebogen sind entspannt sich der Verkehr deutlich. Nur ein Gruppe Finnischer Motorradfahrer nervt und überholt in einer unübersichtlichen Kurve. Der letzte in der Reihe hat auch noch eine Insta360 ca. einen Meter nach rechts rausstehen mit der er mich fast erwischt.

Das weiße auf den Bildern ist übrigens Schnee – und das im Juli! Aber wir sind ja schließlich nördlich vom Polarkreis.

Nusfjord ist ein Touri-Dorf, für das sogar 150 NOK Eintritt verlangt wird. Da wir nur zur Fahrradfähre möchten, möchten wir den Eintritt nicht zahlen. Unsere Frage nach der Fähre kann die junge Frau am Eingang nicht beantworten. Sie ist heute den ersten Tag im Dienst. Immerhin lässt sie uns passieren ohne zu Bezahlen und wir rollen langsam runter in den Hafen. Im Hafen gibt es keinen Hinweis auf die Fähre, kein Hinweisschild, nichts. Ich frage einen Kajak-Guide, der sich gerade fertig macht um mit einer Gruppe los zu fahren. „Die Fähre gibt es nicht mehr, die Betreiber waren schon alt und sind in Rente gegangen.“ Genau das will man hören, wenn die gesamte Tagesetappe auf dieser Fähre aufbaut und wir jetzt den ganzen Weg – inklusive Berg – wieder zurück müssen. Bevor wir uns auf den Rückweg machen gibt es aber erst einmal ein kleines (überteuerten) Frühstück in einem Café.

Der Rückweg geht schneller als gedacht. Aber zurück auf der E10 müssen wir uns auch wieder mit deutlich mehr Verkehr rumärgern. Ein Grund, warum wir die Fähre nehmen wollten ist der Nappstraumtunnel. Er geht unter dem Wasser hindurch und hat an den Enden starke Steigungen. Außerdem ist er so gut wie gar nicht beleuchtet, es tropft ständig Wasser von oben und die Straße ist voller Schlaglöcher. Woher ich das weiß? Auf jeden Fall nicht, weil wir mit den Rädern durch gefahren sind. Zu allem Überfluss ist der Tunnel nämlich derzeit für Radfahrer gesperrt. Es gibt einen Shuttle Bus mit Anhänger, der immer durch den Tunnel hin und her fährt. Pro Fahrt kann er Fünf (ja, ganze 5!!!) Räder mitnehmen. Auf einem Hinweisschild stehen die Abfahrtszeiten: 10:00, 12:30, 16:30 und 18:00 Uhr. Es ist 12:15 und da wir nicht genau wissen wie weit es noch ist beeilen wir uns. Die Mühe hätten wir uns aber sparen können. Als wir an der Bushaltestelle ankommen stehen dort schon neun Radreisende, die auf den Shuttle warten.

Wir diskutieren ein wenig mit den anderen Radfahrern und es kommt die Idee auf doch einfach als „Fahrradbus“ zusammen durch den Tunnel zu fahren. Dabei weiß zu diesem Zeitpunkt keiner von, wie es in dem Tunnel aussieht. Die Diskussion ist aber schnell beendet, als einer der wartenden Radreisenden zu berichten weiß, dass es eine sehr hohe Strafe für Radfahrer gibt, wenn sie im Tunnel erwischt werden. 3000€ ist ein ganz schöner Haufen Geld und die Idee mit dem Fahrradbus wird schnell unter diesem Haufen begraben.

Natürlich kommt der Shuttle nicht um 12:30. Es ist kalt an der Bushaltestelle – zum Glück regnet es nicht auch noch. Wir ziehen trotzdem unsere neuen Regenhosen gegen die Kälte an. Zoé, eine der französischen Radfahrerinnen, kommt auf die Idee einen Tee zu kochen. Schnell haben alle ihren Campingkocher heraus geholt. Teebeutel werden herum gereicht und ich mache gleich noch eine Fuhre Wasser heiß um auch die französische Familie zu versorgen. Endlich kommt der Shuttle und die ersten fünf können ihre Räder auf dem Anhänger festmachen und werden mit dem schon etwas in die Jahre gekommenen VW Bus durch den Tunnel gebracht. Relativ schnell kommt der Shuttle leer zurück und die nächste Fuhre wird verladen. Beim nächsten Mal sind wir dran und wir machen schon einmal alle Taschen ab. Auch jetzt geht es wieder relativ schnell, aber dieses Mal sind zwei Räder abzuladen. Da auch die anderen Radfahrer schon alles vorbereitet haben und auch alle mit anpacken, ist der Anhänger schnell beladen. Inzwischen ist es nach 15:30 Uhr und der für den Nachmittag angekündigte Regen ist am Horizont schon sichtbar.

Die Fahrt durch den Tunnel ist abenteuerlich. Es ist tatsächlich ziemlich dunkel und die Straße in einem unglaublich schlechten Zustand. Entsprechend langsam fährt der Shuttle. Wir unterhalten uns mit dem Fahrer und er bietet uns an, uns bis nach Leknes zu bringen. Das spart uns 8 Kilometer auf der E10! Als wir die Räder abladen fängt es an zu regnen. Wir fahren zuerst einmal zu einem nahegelegenen Supermarkt um uns mit Abendessen und einem schnellen Snack zu versorgen.

Inzwischen hat es sich eingeregnet und wir haben noch 18 lange Kilometer vor uns, inklusive einem 4 Kilometer langen Anstieg mit bis zu 8% Steigung. Und dieser Berg nimmt gefühlt kein Ende. Wir fahren zwar auf einer Nebenstraße, aber offensichtlich sind wir in den Feierabendverkehr gekommen. Zum Glück sind fast nur Norweger unterwegs. Die Überholen uns bekanntlich immer mit ausreichend Abstand. Nach der Abfahrt geht es mehr oder weniger gerade bis zum Campingplatz weiter. Inzwischen bin ich völlig durchnässt und will nur noch ankommen. Sabine kommt bei meinem Tempo nicht mehr mit, aber sie hat den Rest der Strecke auf ihrem Wahoo und verfahren kann man sich auf der Strecke auch nicht.

Die Hütten auf dem Campingplatz kosten über 2500 Kronen. Das wollen wir uns nicht leisten. Wir bauen unser Zelt im Regen in der Nähe des Service-Haus auf. Ein großer Fehler wie sich später noch heraus stellen soll. In der Küche ist noch nicht viel los und wir bereiten uns aus um unsere nassen Jacken zu trocknen. Dann kochen wir unser Abendessen. Heute gibt es Reis mit Tikka-Masalla und Hühnchen, sehr lecker.

Zum Regen hat sich auch noch ein veritabler Wind dazu gesellt und der bläst so stark gegen unser Zelt, dass der Hering an der Abside aus dem Boden gerissen wird. Außerdem steht inzwischen Wasser auf dem Platz wo unser Zelt steht. Wir beschließen das Zelt an einer anderen Stelle neu aufzubauen, da das Zelt inzwischen quasi im Wasser steht. Im Regen und bei dem Wind kein leichtes Unterfangen. Natürlich dauert es ein bisschen, bis alles ab und dann wieder aufgebaut ist. Das Zelt ist auf seinem neuen Platz aufgebaut, aber auf dem Zeltboden steht innen Wasser. Wir wischen das Wasser so gut es geht mit unseren Handtüchern auf. Jetzt sind die auch Nass, genau wie jeder Faden, den wir am Körper tragen. Zum Duschen sind die Handtücher nicht mehr zu gebrauchen. Das hatten wir aber sowieso nicht mehr vor, hatte doch vorhin in der Küche schon jemand gesagt, dass es in den Duschen kein warmes Wasser mehr gibt…

Da wir aber irgendwo schlafen müssen, legen wir unsere Isomatten trotzdem im Zelt aus. Da das Wasser von unten durch den Zeltboden drückt sind wir mit unseren Schlafsäcken besonders vorsichtig. Immerhin kommt von oben kein neues Wasser mehr dazu.

Morgen früh dürfen wir dann ein noch nasseres Zelt einpacken und mir graut davor die nassen Klamotten wieder anzuziehen…

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