Feind #1und Feind #2 haben sich gegen uns verbündet und obwohl wir noch einen verzweifelten Versch unternommen haben mit technischer Ausrüstung dagegen zu halten, haben wir am Ende kapituliert.
Aber der Reihe nach…
Gestern Abend sind wir ja schon völlig durchnässt auf dem Campingplatz angekommen und trotz Heizung sind meine Schuhe bis zum Morgen nicht vollständig getrocknet. Die Heizung hat uns außerdem in der Nacht geweckt, nicht weil sie zu laut war, uns war einfach zu warm in unseren Schlafsäcken. im verzweifelten Versuch unsere Sachen trocken zu bekommen hätten wir sie wohl etwas zu weit aufgedreht. In der Nacht hatte es wohl aufgehört zu regnen, aber pünktlich zu unserem Start, hat es dann wieder angefangen. Außerdem ist die Temperatur noch einmal gefallen. Es waren bei Abfahrt 7 °C und später dann max. 8 °C.



Nach 12 km waren wir in Sandnessjøen und schon wieder ziemlich Nass. Zudem wurde es uns trotz Anstrengung nicht richtig warm. Vor allem meine Füße waren die ganze Zeit kalt. Kein Wunder, waren die Schuhe ja Nachts nicht richtig getrocknet. Sabine war fest entschlossen in einem der Sportgeschäfte nach einer wasserfesten Regenhose zu schauen und auch eine solche zu kaufen. In einem kleinen, lokalen Geschäft sind wir auch tatsächlich fündig geworden und haben sogar noch einen Rabatt bekommen weil wir gleich zwei Hosen gekauft haben! Die Hosen haben wir sofort angezogen und die zusätzliche Schicht hat es auch gleich etwas wärmer gemacht an den Beinen. Ein kleiner, aber kurzfristiger Erfolg durch diese technische Aufrüstung. Meine Füße blieben aber kalt.


Die restlichen ca. 38 km bis zur Fähre in Levang haben sich heute gezogen wie Kaugummi. Irgendwie ging es gefühlt einfach nicht voran. Die angepeilte Fähre um 15:15 Uhr haben wir trotzdem völlig Problemlos erreicht. Bei der Überfahrt nach Nesna haben wir uns mit einem Bikepacker aus der Schweiz unterhalten. Er ist deutlich schneller unterwegs als wir und möchte nach der Ankunft in Nesna noch 80 km oder so fahren. Er würde dann am gleichen Campingplatz ankommen, auf dem auch wir übernachten wollten. Wir hatten aber geplant mit einem Schnellboot abzukürzen und direkt weiter nach Stokkvågen zu fahren. Von dort wären es dann noch ca. 26 km bis zu besagtem Campingplatz zu radeln gewesen – tja, hätte, hätte Fahrradkette. Apropos, die muss ich mal wieder wachsen, von dem vielen Regen quietscht sie ganz schön.


Bis zur Abfahrt des Schnellboots hatten wir noch etwas Zeit. Viel anzuschauen gibt es in Nesna nicht, also gingen wir in den Warteraum um der Kälte zu entkommen und etwas zu essen. Wir sind gerade fertig geworden damit und hatten die letzten Scheiben Käse und Salami auf Knäckebrot vertilgt, da sagt Sabine:
Unser Schnellboot ist gecancelt worden.
Ich kann das erst gar nicht glauben, aber tatsächlich, auf der Website steht es Rot auf Weiß: „canceled“. Feind #2 hat uns mürbe gemacht und Feind #1 hat uns den Rest gegeben. Schnell und einstimmig beschließen wir auf den Campingplatz in Nesna zu fahren und dort zu bleiben. Es ist kalt, es ist Nass und keiner von uns hat Lust noch mehr als nur die paar Meter zum Campingplatz zu fahren. Außerdem – surprise, surprise – heute Nachmittag soll der Regen wieder heftiger werden.
An der Rezeption vom Campingplatz fragen wir sofort nach einer Hütte und wieder haben wir Glück und müssen kein Zelt aufbauen. Die warme Dusche tut unglaublich gut und in unserer Hütte hat die Heizung es schon schön warm gemacht. Es gibt sogar Handtücher und Bettwäsche – bei fast 100€ für eine Nacht kann man das fast auch erwarten. In der Gemeinschaftsküche kochen wir unser Abendessen. Heute gibt es Tikka Massalla mit den restlichen Fleischbällchen und Reis. Es schmeckt deutlich besser als das Essen gestern.
Nach dem Essen beschließen wir – wieder schnell und einstimmig – dass wir morgen mit den Hurtigruten nach Bodø fahren und uns dort eine AirBnB Unterkunft für die Nacht mieten. Dadurch haben wir dann drei Radtage weniger und verpassen den letzten Teil der Helgelands-Küste. Was bei den Wetteraussichten von Regen bei max. 10°C aber zu verschmerzen ist. Wir hoffen darauf, dass das Wetter ab Mittwoch besser wird. Unser derzeitiger Plan ist dann auf die Lofoten überzusetzen – drückt uns die Daumen, dass das Wetter mitspielt und wir unsere Pläne nicht wieder ändern müssen.
Es ist jetzt gerade 5:15 Uhr am Morgen. Draußen regnet es schon wieder (oder immer noch?) und es ist immer noch kalt. Wir wollen beide nicht da raus und schon gar nicht wollten wir auch nur noch einen weiteren Tag bei dem Wetter Rad fahren. Die Räder sind gepackt und gleich geht es zum Anleger. Auch dazu müssen wir noch einmal durch den Regen fahren und auch dazu haben wir eigentlich keine Lust.

Am Morgen kam zum Regen noch ein kalter Wind dazu. Beides zusammen hat dafür gesorgt, dass von den wenigen Hundert Metern vom Campingplatz bis zum Anleger unsere Regenjacken schon wieder nass waren. Die Einschiffung war völlig problemlos, wir mussten nur für die Fahrräder noch einmal 500 NOK nachzahlen. Jetzt sitzen wir im Warmen auf Deck 7 und haben eben den Polarkreis überquert.



MS Richard Wirth.
So, jetzt wisst ihr Bescheid. Wir sind zivilisationsverwöhnte Weicheier – aber wir stehen dazu!
Wetter Update:

Haltet durch, es kann ja nur besser werden.
Weicheier wären schon lange zurück gefahren! Ich freue mich auf die weitere Strecke.
Wenigstens ein paar lesen was ich hier schreibe und kommentieren auch – danke Andreas!
Ich staune noch immer über eure Tour. Ich habe diese „Kugel“ von Bord eines der Hurtigruten Schiffe bewundert. Großen Respekt vor eurer Tour!
Wir waren sogar schon einmal an der Kugel – und auch an dem noch ca. 1 km weiter Nördlich liegendem Knivskjelodden. Aber die Kugel einmal mit dem Rad zu „erfahren“ ist etwas besonderes. Nur bei dem gerade vorherrschenden Wetter doch eine kleine (oder größere) Herausforderung…
Hut ab. Ihr seid alles aber keine Weicheier!
Mit Strom geht alles besser – hilft aber leider auch nicht bei dem Wetter. 😩
Wie hattest du geschrieben? „Arschbacken zusammenkneifen und durch“.
Wir hätten schon längst aufgegeben…