Tag 44 – Von Andenes nach Senjahopen

Schon gestern wussten wir, dass das Wetter über Nacht umschlagen wird. Deshalb hatten wir ja die Unterkunft in Andenes gebucht. Heute morgen hat es sich bestätigt. Beim ersten Blick aus dem Fenster war klar: der Wetterbericht hatte leider Recht. Die Wolken hängen tief und es regnet, zwar nicht in Strömen, sondern es ist so ein feiner Nieselregen, der in jede Ritze eindringt.

Die Fähre geht um 8:45 Uhr. Da reicht es, wenn der Wecker um 7:00 Uhr klingelt. Die Taschen hatten wir soweit wie möglich schon am Abend gepackt und gefrühstückt wird auf der Fähre – auch dafür ist der kleine Rucksack schon gepackt. Auch Zoé und ihr Vater Denis nehmen die frühe Fähre und zusammen rollen wir um 8:20 Uhr in Richtung Hafen.

Wettervorhersage

An der Fähre müssen wir noch ein paar Minuten warten bis wir an Bord gehen dürfen und das gibt uns einen Vorgeschmack auf das was uns heute erwarten könnte. Auf dem Weg von der Unterkunft zur Fähre und in der kurzen Wartezeit ist schon alles Nass. Der feine Nebel hat sich auf alle Taschen und auf den ganzen Körper gelegt.

Wir verzurren die Räder gut, bei dem Wind wird die See rau sein und es sind immerhin 1:45 h Fahrzeit. Im Salon trifft Sabine Jonas Deichmann an der Kaffeebar. Jonas und seine Freundin Josefine sind dabei Europa zu umrunden und wir verfolgen ihre Position so gut es geht seit sie in Norwegen sind. Jonas und Josefine sind deutlich schneller unterwegs und es war nur eine Frage der Zeit bis sie uns ein- und dann überholt haben. Dass sie heute auf der gleichen Fähre sind wie wir, war aber nicht zu erwarten.

Die Räder gut zu verzurren war gut. Das Boot hat ganz schön geschwankt. Wir konnten trotzdem frühstücken – und es ist am Ende auch alles drin geblieben…

In Gryllefjord regnet es bei unserer Ankunft nicht. Nur die Wolken hängen gefühlt auf dem Boden und von den umgebenden Bergen ist nicht viel zu sehen. Ich muss noch einen Boxenstopp einlegen und dann kommen noch zwei junge Deutsche, die ein Problemchen mit einem ihrer Räder haben. Sie fragen nach Klebeband, aber es stellt sich heraus dass an einem Rad der Endstopfen am Lenker fehlt. Da kann ich helfen! Habe ich doch in Oslo neue Endstopfen gekauft, weil meine Klingel kaputt gegangen ist. Nur, in welcher Tasche hatte ich das kleine Ding versteckt? Nachdem ich die beiden Forkbags komplett ausgeräumt hatte, habe ich den Stopfen in der Rahmentasche gefunden. Da hatte ich vorher schon nachgesehen, aber offensichtlich nicht gründlich genug. Jetzt hat der Lenker einen neuen Endstopfen und ich ein paar Karma-Punkte gesammelt.

Um 11:07 Uhr starte ich die Fahrt und wir sind unterwegs nach Senjahopen. Es geht gleich einen kleinen Anstieg hoch. Aber nur um dann nach kurzer Abfahrt auf eine Brücke und dann in einen Tunnel zu führen. Das ist Tunnel Nummer eins für heute. Es folgt das schon bekannte Auf und Ab auf der Küstenstraße. Viel zu sehen ist von der so hoch gelobten und angeblich wunderschönen Küste leider nicht.

Brücke mit anschließendem Tunnel
Ein, oder zwei Trolle?

Bei Kilometer 21 fängt der etwas über 4 km lange Anstieg an. Natürlich fängt es genau dann auch an zu regnen. Den ersten Teil des Anstiegs schaffe ich noch, dann sind aber die 8-10% Steigung auch für mich zu viel und ich muss absteigen und schieben. Als wir es endlich nach oben geschafft haben, wartet Tunnel Nummer zwei auf uns. Der Tunnel ist 1890 Meter lang und auf der norwegischen Tunnelkarte grün markiert. Auf der Karte sind alle Tunnel verzeichnet und rot, gelb oder grün klassifiziert. Grün heißt, der Tunnel ist für Radfahrer geöffnet und gilt als OK, um durchzufahren.

Nach dem Tunnel geht es im Regen vorsichtig wieder nach unten. Nachdem wir beim Aufstieg so geschwitzt haben, wird es uns jetzt bei der Abfahrt kalt. Unten angekommen muss ich erst einmal die warmen Handschuhe anziehen. Leider sind wir jetzt auf einem Abschnitt der Strecke, auf der es keinen Supermarkt und keine Restaurants gibt, in denen wir uns aufwärmen könnten. Erst in Skaland gibt es einen kleinen Supermarkt, aber das liegt eigentlich nicht auf unserer Route. Wir entscheiden uns trotzdem die ca. 4 km Umweg in Kauf zu nehmen und es war die richtige Entscheidung. Der Kaffe, ein warmes Stück Pizza für Sabine und eine in der Mikrowelle warm gemachte Kebap-Rolle helfen uns wieder warm zu werden und Kraft für die letzten Kilometer zu tanken.

Nach der Stärkung im Supermarkt geht es zurück und zur Auffahrt zum Tunnel Nummer drei. Der Tunnel ist zwar aber nur 1265 Kilometer lang, aber als gelb klassifiziert. Tatsächlich ist er schlechter Beleuchtet und es ist eng im Tunnel. Auf der anderen Seite kommen wir am designierten Zeltplatz für heute vorbei. Bei besserem Wetter hätten wir hier schon zelten können.

Gebäude mit Toiletten
Schöne Wiese

Zum Abschluss geht es noch durch Tunnel Nummer vier. 2147 Meter in einem gelb klassifizierten Tunnel, der aber sehr gut beleuchtet und gut zu fahren war. Auf der anderen Seite des Tunnels begrüßt uns schon das Ortsschild von Senjahopen. Jetzt sind es nur noch 1.7 km bis zu einer warmen Dusche.

Update 23:30 Uhr

Es regnet gerade wieder und das soll auch die nächsten Tage so bleiben. An Zelten ist im Moment zu denken und bei den Temperaturen im Regen weiter zu fahren macht weder Spaß noch Sinn. Deshalb geht es morgen zu einem Hurtigbåt nach Tromsø. Dort haben wir uns auch schon eine Unterkunft gebucht.

3 thoughts on “Tag 44 – Von Andenes nach Senjahopen

  1. Herzlichen Glückwunsch zum Bergfest!
    Eineinhalb Monate sind rum und ihr seht auf den Fotos noch richtig frisch aus (vielleicht ist Nieselregen gut für den Teint?).

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